Balloon-Lift-Control
Sichere und minimal-invasive Sinusbodenelevation mit dem Balloon-Lift-Control
Nachfolgend soll das von der Firma Hager & Meisinger aus Neuss entwickelte Balloon-Lift-Control-System (BLC) (Abb.l BLC) und seine Anwendung anhand von einem Patientenfall vorgestellt werden.
Für die Entwicklung des Instrumentariums für die Balloon assistierte Sinusbodenelevation waren mehrere Voraussetzungen gleichermaßen entscheidend:
- sicherer und einfacher Zugang zur Kieferhöhlenschleimhaut
- komplikationslose Anhebung der Schleimhaut durch den aufgeblockten Balloon
- leicht erlern- und bedienbares System
- zeitsparende und damit nebeneffektarme Anwendung.
Das 19-teilige Balloon-Lift-Control System besteht aus Vorbohrer, Lagerfräser, Spezialbohrer, einer Bohrerführung mit diversen Führungshülsen, sowie zwei Osteotomen mit Mandrin in den Durchmessern 4,5mm und 7,0mm (Abb.1 BLC).
Das BLC-Osteotom (Abb. 21BLC) besteht aus zwei Teilen: dem Führungsinstrument mit Handgriff, adaptiver Spitze und innenliegendem Führungskanal, dem Mandrin und dem Ballonkatheter. Der benötigte Ballonkatheter, welcher durch den Führungskanal eingebracht wird, ist separat erhältlich (Abb.9 u. 16BLC).
Die variable Spitze des Führungsinstruments erlaubt eine optimale Positionierung des BLC-Systems am Alveolarfortsatz. Das Führungsinstrument dient als Führungs- und Schutzkanal für den Mandrin und den Ballonkatheter. Das eigentliche Osteotom ist der Mandrin selbst,
Dieser ist mit einer Tiefenjustierung am Handgriff versehen, mit der, der apikale Überstand über die Schaftspitze hinaus, und somit die letztendliche Eindringtiefe, reguliert und justiert werden kann.
Der Ballonkatheter (Abb.9 u.16 BLC) ist am proximalen Ende des Systems mit einer speziellen Befüllvorrichtung mit Luer-Lock-Ansatz versehen. Dieses ermöglicht eine luftfreie Befüllung des Systems mit ca. 1 1 ml Flüssigkeit, ohne den Ballon aufzublocken. Der Ballonkatheter wird vor dem Einsatz am Patienten entweder mit einer jodhaltigen
radioopaken Flüssigkeit (Ultravist 240) oder physiologischer (0,9%iger) NaCI-Lösung befüllt.
Das Balloon-Lift-Control System (BLC) ist ein minimalinvasives, sehr sicheres und äußerst leicht erlernbares Verfahren zur präaugmentativen Ablösung der Kieferhöhlenschleimhaut. Unabhängig von der vertikalen Höhe des knöchernen Sinusbodens kann die Schleimhaut um mehr als 10 mm angehoben werden. Durch die beiden Osteotome des BLC wird ein Ballonkatheter nach Impression des geschwächten Bodens in die Kieferhöhle eingebracht. Der Ballon wird dann mit einer Flüssigkeit s.o. auf die gewünschte Höhe gedehnt. Das dazu notwendige Volumen ergibt zugleich die Menge an erforderlichem Augmentat. So wird die Sinusbodenaugmentation zu einem leicht und schnell durchführbaren Verfahren.
Fallbeschreibung
Die 50-jährige Patientin befand sich in einem guten Allgemein- und Ernährungszustand. Systemische Erkrankungen wurden nicht angegeben und waren nicht zu erkennen. Der Oberkiefer war alio loco prothetisch mit festsitzendem Zahnersatz vor ca. 27 Jahren versorgt worden. Im Juli 2005 wurde die Brücke 23, 24 - 26 entfernt und die parodontal geschädigten Zähne 24, 26 und 27 extrahiert. Da die Patientin im Januar 2005 erstmalig implantologisch in unserer Praxis versorgt wurde, bestand der Wunsch nach möglichst umgehender Versorgung der einseitigen Freiendsituation im Oberkiefer mit einer implantatgetragenen Brücke.
Da der ortsständige Knochen in Regio 26 nur eine vertikale Dimension von ca. 4-5 mm aufwies, wurde mit der Patientin ein lnterner Sinuslift mit dem Balloon-Lift-Control System und anschließender Augmentation und Implantation in Regio 24 und 26 vereinbart (Abb.22 BLC).
Der Eingriff an der Patientin erfolgte unter lokaler Anästhesie. Zunächst wurde auf herkömmliche Weise ein Implantat in Regio 24 inseriert, um den dort gewonnenen Knochen für die geplante Augmentation in Regio 26 zu verwenden (Abb.2 BLC).
Der Einsatz des BLC-Systerns:
Die auf dem Kieferkamm befindliche attached gingiva wurde mit einer rotierenden Schleimhautstanze in Regio 26 entnommen (Abb.3 BLC). Mit dem Vorbohrer aus dem BLC wurde eine Pilotbohrung durchgeführt.
Die entsprechende Führungshülse für den Spiralbohrer wurde in die Bbhrerführung eingespannt (Abb.4 BLC).
Das Bohrerführungsinstrument wurde auf dem Alveolarkamm in Regio 26 fixiert (Abb.5 BLC).
Dann wurde der Spiralbohrer mit einem Durchmesser von 4,5mm und Tiefenstopp in die Führungshülse eingeführt (Abb.6 BLC). Nun wurde mit dem Spezialbohrer durch die Führungshülse zur Ausdünnung des Sinusbodens bis auf eine Restknochendicke von ca. 1 mm bis zur Sinusbodenkompakta in den Alveolarkamm gebohrt (Abb.7 BLC). Dank der genau aufeinander abgestimmten Instrumente bleibt der vorher festgelegte Restknochen bestehen.
Das Bohrerführungsinstrument wurde im Anschluss durch das Osteotom I (4,5mm) aus dem BLC ersetzt. Die adaptive Spitze des Osteotoms I wurde bündig in den vorgebohrten Kanal eingeführt und das Osteotom I bis zum Anschlag an die attached gingiva positioniert. Der zuvor auf die Restknochenhöhe justierte Mandrin wurde in das Osteotom I eingeführt. Durch einen leichten Schlag auf den Mandrin-Handgriff wurde die kieferhöhlenseitige Kompakta durch den Anteil des Mandrins, der die Schaftspitze des Führungsinstrumentes überragt, kontrolliert frakturiert (Abb.8 BLC).
Nach Entnahme des Mandrins aus dem Osteotom I wurde der mit physiologischer NaCI- Lösung vorgefüllte Ballonkatheter (Abb.9ßLC) bis zum Anschlag eingeführt (Abb.ll BLC). Anschließend wurde der mit einer über einen Luer-Lock mit dem Ballonkatheter verbundenen, mit physiologischer NaCI-Lösung gefüllten, graduierten Kanüle der in den subantralen Raum der Kieferhöhle eingeführte Ballon vorsichtig aufgeblockt. Dieser Insuiflationsprozess wurde fünfmal wiederholt. Dieses ist notwendig, da sich wegen der Elastizität und
Rückstellungskraft der abgehobenen Schleimhaut, aber auch des Ballons, die physiologische NaCI-Lösung immer wieder in die Kanüle zurückdrängt. Dabei verspürt der Behandler einen Gegendruck, der mit wiederholtem aufblocken des Ballonkatheter schwächer wird. Wir steigerten das Volumen vorsichtig von zunächst 0,5 ml auf 1,5 ml beim dritten bis fünften Insuiflationsprozess. Die Patientin verspürte dabei nichts Unangenehmes (Abb.16-20 BLC), Abschließend wurde der Ballon wieder vollständig entleert und aus dem Osteotom I entfernt. Nach Entfernung des BLC-Systems wurde der neu geschaffene Raum Schritt für Schritt durch das Bohrloch mit einem Gemisch aus xenogenem Knochenaufbaumaterial Bio-Oss (Geistlich Biomaterials GmbH) und autogenem Knochen (im Verhältnis ca. 60:40) befüllt (Abb.12 BLC).
Es folgte die Insertion eines Implantates der Fa. Straumann (4,8mm Wide Neck Tapered Effect) (Abb.13, 14 u. 23 BLC)
Die Patientin berichtete direkt post operativ den Eingriff als sehr angenehm und schonend empfunden zu haben. Lediglich den kurzen Schlag auf den Mandrin habe Sie als leicht unangenehm empfunden. Auf eine ausdrückliche Schmerzmedikation wurde bewusst verzichtet, diese aber auch nicht untersagt. 24h später bei der Nachkontrolle war die Patientin gänzlich frei von Schwellungen oder Hämatomen. Absolut minimalinvasiver interner Sinuslift. Eine Schmerzmedikation war nicht notwendig. Typische Komplikationen bei herkömmlichen Sinuslifts konnten weder von der Patientin noch vom Behandler subjektiv und objektiv wahrgenommen werden. Selbst eine Reaktio der NNH-Schleimhaut mit serösem Sekretabfluß post OP konnte nicht festgestellt werden..
Es bleibt abzuwarten, ob sich dieser sehr positive Gesamteindruck bei weiteren Eingriffen bestätigt.